Heute existiert eine kaum überschaubare Fülle an Schachvarianten, wobei es sich bei den Allermeisten um nur sehr geringfügige Abwandlungen des „klassischen“ Schachs handelt. Als besonders eigenständige Variante fällt z.B. das chinesische Schach (Xiangqi) auf. Hier werden im Gegensatz zu den meisten anderen Varianten die Figuren auf den Schnittlinien der einzelnen Spielfelder platziert.

Die Bewegungsmuster bzw. Gangarten der Figuren sind so eng an die Gitter der Spielflächen gekoppelt, dass eine vollständig neue Bewegungsart im Prinzip nicht mehr erdacht werden kann. In den existierenden Schachvarianten werden diese daher mehr oder weniger originell abgewandelt. Auch beim Bellitum finden sich natürlich bereits bekannte Bewegungsmuster. So ähnelt der Contarius in seiner Bewegungsart einer Halmafigur. Die Gangart des Decurio wird bereits in Quellen aus dem 17. Jh. beschrieben. Hinsichtlich der Schlagmechanismen wartet das Bellitumspiel aber mit einer Reihe von sehr interessanten Neuerungen auf. Defensiven Elementen werden stets dynamische, offensive Bestandteile gegenübergestellt. Bei der Konzeption des Spieles wurde zunächst bewusst darauf verzichtet, bekannte Schachvarianten zu studieren und daraus Bestandteile zu entnehmen. Erst mit Abschluss der Hauptentwicklungsarbeit erfolgte eine Feinjustierung mit Hilfe bekannter Varianten, wobei sich die Anleihen allerdings auf wenige Details beschränken. So ist der Funditor hinsichtlich der Schlagrichtung von der Lanze im Shōgi inspiriert. Unabhängig voneinander sind erwartungsgemäß Ideen verwirklicht worden, die an andere Schachabwandlungen (z.B. an das Schießschach > Schlagmechanismus des Sagittarius oder das Zylinderschach > Zugweise des Veles) erinnern. Nach langer Entwicklungsarbeit ist letztlich ein ausbalanciertes, reizvolles und neuartiges Denkspiel entstanden.

Aufbau und Figurentypen der sich beim Bellitum gegenüberstehenden Streitmächte orientieren sich an der Römischen Legion in der Manipularordnung mit ihren diversen Auxiliartruppen (Hilfstruppen).

Bei der Konzeption des Spiels wurde darauf geachtet, dass die Vielzahl der Möglichkeiten zwar eine Herausforderung, aber bei einer schrittweisen Aneignung der Regeln keine Überforderung darstellt. Bellitum ist vor diesem Hintergrund in 5 aufeinander aufbauende Spielstufen gegliedert, wobei die Fünfte quasi die Vollversion darstellt. Bewährte Taktiken sind dabei nicht generell in andere Spielstufen übertragbar, was den jeweils eigenen Reiz der einzelnen Stufen noch unterstreicht. Die jeweils nächsthöhere Stufe sollte sinnvollerweise erst dann gespielt werden, wenn die bis dahin geltenden Regeln beherrscht werden. Da die Reihenfolge und die Figurenkombination der einzelnen Spielstufen mit Bedacht ausgewählt wurden, ist ein Abweichen beim Erlernen des Spiels nicht zu empfehlen.

Prinzipiell könnte man die Anzahl und Art der Figuren sowie die Spielfeldgröße noch mehr erweitern, jedoch dürfte mit der getroffenen Wahl eine sinnvolle Obergrenze erreicht worden sein.


Bildnachweis:

 oben links: Legionäre mit Auxiliartruppen im Angriff, 2. Jh. n. Chr., Trajanssäule, Rom.
 unten links: Schleuderer (Funditor), 2. Jh. n. Chr., Trajanssäule, Rom.
 rechts: Reiterschlacht, 2. Jh. n. Chr., Trajanssäule, Rom.