Das heute in der westlichen Welt verbreitete Schach hat im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte tiefgreifende Wandlungen erfahren. Der Ursprung des Spiels lässt sich nicht mehr eindeutig zurückverfolgen, da entsprechende Zeugnisse nicht überliefert worden sind. Unter heutigen Schachhistorikern herrscht aber nahezu Einigkeit darüber, dass das Urschach um 500 n. Chr. im Nordwesten Indiens entstand und sich dann von dort aus in alle Himmelsrichtungen ausbreitete. Als Urform aller modernen Schachvarianten gilt das Chaturanga, das spätestens seit 600 n. Chr. gespielt wurde. Aus diesem ging wiederum das Schatrandsch, der persische Vorläufer des modernen, "westlichen" Schachspiels, hervor.

In den Westen Europas gelangte das Schach im 8. Jahrhundert im Zuge der arabischen Eroberung der Iberischen Halbinsel. Im Verlauf der weiteren Schachgeschichte ist immer wieder mit neuen Spielregeln (v.a. bei den Gangarten der Figuren) experimentiert worden, so dass regional unterschiedliche Regeln galten. Erst im 15. Jahrhundert bildeten sich die noch heute geltenden Regeln des Schachs heraus. Die Dynamik des Spiels wurde zu dieser Zeit durch eine größere Reichweite einzelner Figuren deutlich erhöht. So entstand aus dem kurzschrittigen „Wesir“ die das Spielbrett dominierende Dame. Im asiatischen Raum entwickelten sich aus dem Urschach andere, teilweise traditionsreichere, Schachvarianten. Insbesondere die Varianten aus Japan (Shōgi) und China (Xiangqi) weisen deutliche Unterschiede zum "westlichen" Schach auf.



Bildnachweis:

 links: Indischer Gesandter spielt Schach bei König Khosrau. Miniatur aus dem Werk „Schāhnāme“ von Abū l-Qāsem-e Firdausī (940-1020), Teheran, Iran.
 rechts: Markgraf Otto IV. von Brandenburg (1266-1309) mit einer höfischen Dame beim Schachspiel, Miniatur aus der Manessischen Liederhandschrift, Universitätsbibliothek Heidelberg.